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Überblick

Die Prostata ist ein etwa kastaniengrosses Organ im Becken des Mannes, umgeben von der Harnblase, dem Enddarm, dem Beckenboden sowie den Beckenknochen. Die Funktion der Prostata liegt in der Produktion der Samenflüssigkeit. Die Zellen der Prostata können entarten, dies nennt man Prostatakrebs. Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in der Schweiz. Meistens ist Prostatakrebs jedoch nicht sehr aggressiv und wächst langsam, sodass eine gute Prognose besteht.

Häufige Fragen

Ursachen

Prostatakrebs entsteht, wenn Zellen der Prostata beginnen unkontrolliert zu wachsen und gesundes Gewebe angreifen. Der Krebs kann sich auch zusätzlich zu einer gutartigen Prostatavergrösserung entwickeln, welche sehr häufig ist.

Die genauen Gründe warum manche Männer Prostatakrebs entwickeln und andere nicht, sind unbekannt. Generell steigt jedoch das Krebsrisiko mit zunehmendem Alter, wenn bereits andere Familienmitglieder an Prostatakrebs erkrankt sind und bei einem ungesunden Lebensstil, beispielsweise mit einer einseitige Ernährung, rauchen oder zu wenig Bewegung.

Symptome

Typische Symptome die auf einen Prostatakrebs hinweisen gibt es nicht. Folgende Symptome können aber auftreten:

  • vermehrter Harndrang
  • Schwierigkeiten beim Wasser lösen
  • Erektionsstörungen und schmerzhafter Samenerguss
  • Blut im Urin und in der Samenflüssigkeit
  • Probleme mit der Blasenkontrolle
  • Rückenschmerzen / Kreuzschmerzen

Diagnose

Die heutigen Möglichkeiten der Früherkennung führen dazu, dass man viele Tumoren im Frühstadium entdeckt. Die primäre ärztliche Untersuchung beinhaltet eine Besprechung allfälliger Beschwerden und eine körperliche Untersuchung der Geschlechtsorgane. Um eine Veränderung oder Vergrösserung der Prostata zu prüfen, tastet der Arzt die Prostata vom Enddarm aus ab. Grössere Tumoren können so gefunden werden, nicht aber kleine oder ungünstig gelegene. 

Zusätzlich zur Tastuntersuchung gibt ein PSA-Test weitere Anhaltspunkte. Bei diesem Test wird die Konzentration des Prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut gemessen. PSA ist ein Eiweiss, welches nur von der Prostata gebildet wird. Wenn der Wert erhöht ist, kann dies auf eine bösartige Erkrankung der Prostata hinweisen. Der PSA-Wert vermittelt aber keine Sicherheit, dass ein Prostatakrebs vorliegt, denn andere Ursachen können den Wert ebenfalls erhöhen (z.B. Prostata-Entzündung, Harnverhaltung, vergrösserte Prostata). Die Erhöhung kann sogar Teil des normalen Alterungsprozesses sein.

Wenn das PSA Testergebnis auf Prostatakrebs hinweist, wird eine MRI Untersuchung der Prostata durchgeführt. Je nach Befund folgt anschliessend eine Biopsie. Hierbei entnimmt man der Prostata Gewebeproben und untersucht diese im Labor auf Krebszellen. Erst die Biopsie und die weiterführenden Untersuchungen bringen die Gewissheit, ob es sich um eine Krebserkrankung handelt oder nicht. Weil eine Biopsie schmerzhaft sein kann, erfolgt sie unter örtlicher Betäubung. In der Regel werden die Biopsien mittels MRI-Ultraschall-Fusion durchgeführt. Mit diesem Verfahren kann Prostatakrebs mit der höchstmöglichen Präzision erkannt werden. Der Patient erhält rasch Klarheit über eine allfällige Krebserkrankung und die bestmöglichen Behandlungsoptionen - dennoch müssen zwischen Biopsie und Diagnosestellung einige Tage eingerechnet werden, die für die Analyse benötigt werden.

Verlauf

Prostatakrebs verläuft gerade im höheren Alter meist langsam und ohne Einschränkung der Lebenserwartung. Eine Prostatakarzinomvorsorge ist  entsprechend nur bei einer ausreichenden Lebenserwartung von 10-15 Jahren empfohlen. Liegt jedoch eine relevante Krebserkrankung vor, vor allem bei noch entsprechend fitten Patienten, kann der Krebs im Verlauf gefährlich werden, insbesondere dann, wenn er Ableger (Metastasen) in anderen Körperteilen bildet. Meist tut er dies in umliegendem Gewebe im Bereich des Beckens oder der unteren Wirbelsäule. Über die Lymphbahnen und Blutgefässe kann er jedoch auch in weiter entfernte Regionen gelangen. Mit der sogenannten PSMA PET/CT können Ableger eines Prostatakrebs am besten diagnostiziert werden. Bei der Prostatakrebsvorsorge geht es darum, eine relevante Krebserkrankung vor dem Zeitpunkt des Ausbildens von Ablegern zu finden.

Behandlung

Am einzigen zertifizierten Uro-Onkologischen Zentrum der Zentralschweiz gewährleisten wir die bestmögliche Behandlung aller bösartigen Erkrankungen der Prostata. Sämtliche verfügbaren Kompetenzen werden hier gebündelt und ermöglichen so allen Patienten eine umfassende Betreuung. Die Grundlage dafür ist die intensive Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche des Tumorzentrums im Rahmen der wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenzen. Die Klinik für Urologie arbeitet mit Experten der Radiologie, Strahlentherapie, Onkologie, Endokrinologie, Geriatrie, Psychosomatik und Physikalischen Therapie eng zusammen.

Überwachung

Die Art der Behandlung hängt von der Aggressivität des Tumors ab, wie stark sich dieser bereits ausgebreitet hat und in welchem Gesundheitszustand sich der Betroffene befindet. Weil die Behandlung von Prostatakrebs mit Nebenwirkungen verbunden ist und der Tumor meist langsam wächst, kann in einigen Fällen anstelle einer Therapie die aktive Überwachung sinnvoll sein. Präzise Untersuchungen, wie MRI-Ultraschall-Diagnostik und Laboruntersuchungen, erlauben es, bei gewissen Prostatatumoren auf eine Operation zu verzichten oder diese aufzuschieben. Der entscheidende Faktor dabei ist die aktive Überwachung des Krankheitsverlaufs mit regelmässigen Kontrolluntersuchungen, um ein mögliches Wachstum des Tumors rechtzeitig zu erfassen. Eine Entscheidung für diese Strategie beeinträchtigt die Erfolgsaussichten allfälliger späterer Behandlungen nicht.

Operation

Wenn eine Behandlung nötig wird und der Krebs sich noch nicht auf andere Körperteile ausgebreitet hat, bietet eine vollständige Entfernung der Prostata (Radikale Prostatektomie) die besten Heilungschancen. Am LUKS wenden wir die laparoskopische Operation (Schlüsselloch-Methode) an. Bei dieser Operationstechnik ist kein grosser Schnitt mehr nötig, sondern nur wenige kleine. Dabei kommt ein roboterunterstütztes Verfahren mit dem Da-Vinci-Roboter zum Einsatz. Unser eingespieltes Schwerpunktteam hat grosse Erfahrung mit diesen präzisen und gewebeschonenden Eingriffen. Mit jährlich über zweihundert roboterunterstützten Prostataentfernungen erreichen wir in der Schweiz eine der höchsten Fallzahlen pro Jahr und Operateur. Diese gewährleisten den Patienten eine Behandlung auf höchstem Niveau. Dementsprechend sind die Operationsresultate in unserem Zentrum vergleichbar mit den internationalen Referenzzentren, sowohl in Hinsicht auf die PSA-Werte als auch in Bezug auf die Blasenkontrolle und Erektionsfähigkeit der operierten Patienten.

Bestrahlung

Die Bestrahlung des Tumors kommt alternativ zur Operation infrage. Die Resultate der Strahlentherapie als Alternative zur Operation hinsichtlich Bekämpfung des Krebses (onkologische Resultate) sind vergleichbar mit denen der Operation.

Teilweise wird die Strahlentherapie auch ergänzend zur Operation durchgeführt. Das Ziel der Bestrahlungen nach einer Operation ist die Abtötung verbliebener Krebszellen. Dies senkt das Rückfallrisiko. Die Bestrahlung kommt auch bei der Bekämpfung von Ablegern ausserhalb der Prostata oder zur Schmerzlinderung  zum Einsatz. Bei der meist angewendeten perkutanen Strahlentherapie erfolgt die Bestrahlung von aussen durch die Haut. Auf der Grundlage einer Computertomografie (CT) kann das betroffene Areal präzis bestrahlt werden.

Die Strahlentherapie wird auch dann eingesetzt, wenn im Verlauf nach einer Prostatakrebsoperation (Monate bis Jahre danach) der Krebs wieder aktiv wird (Rezidiv = Wiederauftreten). In diesem Fall wird von einer Salvage-Radiotherapie (Salvage = engl. Rettung) gesprochen. Eine solche wird auch eingesetzt, wenn die Operation als Erstbehandlung nicht angeschlagen hat.

Als weitere Alternative für eine Auswahl von Prostatakrebserkrankungen kommt zudem die Brachytherapie infrage. Bei der Brachytherapie werden kleine radioaktive Partikel direkt in die Prostata implantiert, wo sie dauerhaft verbleiben und die Krebszellen von innen zerstören. Die Brachytherapie geht mit weniger schweren Komplikationen einher.

Hormontherapien

Bei Krebsablegern in anderen Organen hat der Einsatz von Medikamenten oder die operative Therapie (Entfernung des Hodens) im Rahmen von Hormontherapien das Ziel, die männlichen Sexualhormone und damit das Wachstum der Tumorzellen zu hemmen. Die Hormontherapie unterdrückt die Bildung von Testosteron oder sie blockiert dessen Wirkung. Dadurch kann das Wachstum des Prostatakrebses verlangsamt oder zum Stillstand gebracht werden. In den letzten Jahren hat die Entwicklung von neuen Hormontherapien grosse Fortschritte gemacht. Am LUKS werden sämtliche neuen Therapien als Ergänzungen oder Alternativen zu den klassischen Therapien angeboten. 

Chemotherapie

Die Chemotherapie wird bei fortgeschrittenem Prostatakrebs angewendet. Die eingesetzten Medikamente (Zytostatika) zerstören Krebszellen und verzögern den Krankheitsverlauf. Weil aber auch gesunde Zellen angegriffen werden, kommt es zu Nebenwirkungen. Durch die Entwicklung neuer Hormontherapien sind gute Alternativen zu den klassischen Chemotherapien entstanden.

Nachuntersuchungen

Regelmässige ärztliche Nachsorgeuntersuchungen sorgen für die rechtzeitige Entdeckung und Behandlung eines erneut auftretenden Tumors (Rezidiv) oder von Folgeerkrankungen. Durch die gute Zusammenarbeit mit Haus- und Spezialärzten ermöglichen wir den Patienten einen nahtlosen Übergang zwischen stationärer und ambulanter Betreuung. Dadurch lassen sich auch unangenehme Doppeluntersuchungen vermeiden. Die weitere Betreuung im Rahmen der sogenannten Tumornachsorge erfolgt in einem stetigen interdisziplinären Austausch. Dieser hat das Ziel, die bestmöglichen Ergebnisse nicht nur im Hinblick auf die Tumortherapie, sondern auch auf den Erhalt der Lebensqualität im Alltag zu erreichen.

Die Krankheit und die Folgen einiger Therapien können die Lebensqualität beeinträchtigen. Die Verminderung oder der Verlust von sexueller Lust, Potenz und Blasenkontrolle sowie Schmerzen aufgrund von Krebsablegern in anderen Körperteilen werden als besonders belastend empfunden. Abhilfe schaffen können gezielte Rehabilitationsmassnahmen. Zu diesen gehören die ärztliche und pflegerische Behandlung, die Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsberatung und Psychotherapie. Psychosoziale Angebote dienen der Bewältigung der neuen Lebenssituation, der Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung, der Verbesserung der Lebensqualität und dem Abbau von Angst und Depressionen. Die Sporttherapie unterstützt die Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und kann das Erschöpfungs-Syndrom lindern. Ein wirksames Mittel gegen ungewollten Urinverlust ist die Beckenbodengymnastik. Selbsthilfegruppen bieten den Patienten ebenfalls wertvolle Unterstützung. Eine andrologische Spezialsprechstunde bietet Hilfestellung bei Erektionsstörungen.

Unser Team betreut die Patienten nicht nur medizinisch professionell, sondern unterstützt sie im Umgang mit der Erkrankung auch menschlich engagiert.

Vorsorge

Eine Vorsorgeuntersuchung für Prostatakrebs stützt sich auf das Risikoprofil des Patienten. Hierbei stützen wir uns auf die Resultate international anerkannter Empfehlungen.

Vorsorge bei:

  • Lebenserwartung von 10-15 Jahren
  • bei Männern ab 50 Jahren ohne Risikofaktoren
  • bei Männern ab 45 Jahren mit Prostatakrebs in der Familie
  • bei Männern ab 45 Jahren bei Afroamerikanern

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