Reportage Nidwaldner Zeitung: «Die nächste Pandemie gehen wir gelassener an»

"Wir waren nonstop am Arbeiten"
In der Coronapandemie kommt dem Labor des Kantonsspitals Nidwalden eine wichtige Rolle zu. Es wertet die Tests aus – im Akkord und mittlerweile routiniert. Das war vor einem Jahr anders.

22. April 2021

Lesezeit: 4 Minuten
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Laborchefin Regula Müller.

Bild: Eveline Beerkircher (Stans, 20. April 2021)

 

«Kann ich daran sterben?» Diese bange Frage stellte sich auch das zehnköpfige Laborteam des Nidwaldner Kantonsspitals zu Beginn der Coronapandemie. «Auch wir wussten zu Beginn sehr wenig über dieses neuartige Virus und deren Auswirkungen», erinnert sich Laborleiterin Regula Müller an den März 2020 zurück, als die Coronawelle das erste Mal über die Schweiz rollte. Man ging auf Nummer sicher, die Angst, sich damit anzustecken, war gross.

«Wenn wir mit den Proben arbeiteten, zogen wir den Schutzanzug an.»

Sie konnten auch nicht ausschliessen, dass zum Beispiel eine Urinprobe eines mit Covid-19 infizierten Patienten ansteckend ist.

Zum mulmigen Gefühl kamen auch noch praktische Probleme dazu. Es standen nicht genug Testflüssigkeiten, sogenannte Reagenzien, zur Verfügung, um alle Testwilligen zu testen. Das Labor musste sich auf die Notfälle im Spital beschränken. Die eigentliche Belastungsprobe kam im November auf Regula Müller und ihr Team zu, mit der zweiten Welle. Mittlerweile war das Labor auch besser ausgerüstet, es beschaffte im Oktober ein neues, leistungsfähigeres PCR-Laborgerät sowie die dazugehörigen Reagenzien. Und das war auch nötig.

Der Ansturm auf das Covid-19-Testcenter beim Kantonsspital war gross und damit ebenso der Arbeitsdruck im Labor. Im Akkord wurden bis zu 80 Coronaproben täglich ausgewertet. Das brachte das Team an seine Belastungsgrenzen. «Glücklicherweise half uns eine Berufskollegin temporär im 20-Prozent-Pensum aus, sonst wäre es kritisch geworden», schildert sie die damalige Situation. Regula Müller erzählt: «Vor Weihnachten war's explodiert. Wir waren nonstop am Arbeiten. Es war sehr streng.» Rund um die Uhr wurden Tests ausgewertet, sieben Tage die Woche.

Genaues, aber aufwendiges Testverfahren

Im Gegensatz zum Schnelltest, bei dem die Fachkraft ohne Hilfe des Labors nach kurzer Zeit auf dem Teststreifen ablesen kann, ob er mit Corona infiziert ist, ist ein PCR-Test viel aufwendiger. Im Testcenter wird den Leuten eine Probe aus den Schleimhäuten der oberen Atemwege entnommen (Nasen-Rachen-Abstrich).

Die Laborantin «träufelt» mit einer Pipette die Probe und das Reagenz auf eine Testplatte. Darauf haben Proben von bis zu 36 Getesteten Platz. Beim Vorgängergerät konnten nur maximal zwei Patienten aufs Mal getestet werden. Die Maschine vervielfältigt das Erbmaterial des Virus so stark, dass es nachgewiesen werden kann. Dafür erwärmt sie die Proben in mehreren Durchgängen, bis zu vierzigmal. Rund eineinhalb Stunden dauert dieser Prozess.

Anhand von verschiedenfarbigen Kurven auf dem Monitor erkennt das geübte Auge, welche Proben positiv sind. Auf weitere rund eineinhalb Stunden beziffert Regula Müller den Arbeitsaufwand für eine solche 36er-Serie. Der Vorteil dieses aufwendigen PCR-Tests ist die höhere Genauigkeit, die bei über 98 Prozent liegt, während sie beim Schnelltest zwischen 80 und 89 Prozent liegt.

Zurzeit lassen sich täglich zwischen 30 und 80 Personen im Kantonsspital Nidwalden mit dem PCR-Verfahren testen, was etwa zwei Drittel der Tests ausmache. «Wer sich am Morgen testen lässt, erfährt in der Regel das Ergebnis schon am Nachmittag», sagt Regula Müller zu den Fristen.

Rund 100 «coronafreie» Aufträge täglich

Nach gut einem Jahr Pandemie stelle sich zwar eine gewisse Müdigkeit, aber auch eine Routine ein. Die Aushilfskraft sei nicht mehr nötig, auch weil ein Teammitglied sein Pensum erhöht habe. Auch wenn es sich an der Coronafront etwas beruhigt hat, ist das Team mit rund 740 Stellenprozenten gefordert. Denn die reguläre Laborarbeit muss auch erledigt werden. Das sind rund 100 «coronafreie» Aufträge täglich.

«Das Labor kommt bei einer Behandlung eigentlich immer ins Spiel», unterstreicht Regula Müller die wichtige Rolle ihrer Abteilung. «Der Arzt stellt vielleicht beim Patienten Fieber oder einen Ausschlag fest. In seinem Auftrag untersuchen wir etwa das Blut des Patienten.» Einfach so ins Blaue wird eine Blutprobe allerdings nicht in der Zentrifuge geschleudert. «Wir untersuchen die Proben immer im Auftrag des Arztes.» Auch bei einem schweren Verkehrsunfall kann das Labor gefragt sein. Anhand des Hämoglobins (Blutfarbstoffs) könne man zum Beispiel innere Blutungen erkennen.

Regula Müller fasziniert an ihrem Job das ganze Zusammenspiel. Sie sagt: «Anhand einer Verdachtsdiagnose des Arztes machen wir Detektivarbeit. Trifft die Diagnose nicht zu, helfen wir ihm, der wahren Ursache auf den Grund zu gehen.»

Daneben sei auch technisches Verständnis gefragt. So nehme man auch einen Schraubenzieher in die Hand und wechsle eine Nadel oder eine Fotometerlampe aus. Trotz der vielen Geräte, die vieles selbständig machten, müsse man immer die Zusammenhänge kennen, genau wissen, was im Hintergrund ablaufe.

Keinen emotionalen Bezug zum Patienten

Im Gegensatz zu den meisten Arbeitskollegen im Spital begegne sie den Patienten so gut wie nie. Für sie stimmt das so, würden Labortests doch auch tragische Befunde zu Tage bringen. «Ich bin froh, dass ich einen Patienten, bei dem ich beispielsweise feststelle, dass er an Krebs erkrankt ist, keinen emotionalen Bezug habe. Das würde mich sehr mitnehmen», erzählt Regula Müller.

Und wie hat sie Corona geprägt?

«Wenn man mir vor zwei Jahren gesagt hätte, dass wir täglich bis zu 80 PCR-Tests machen, hätte ich das nicht für möglich gehalten.» Ihr Team und sie hätten in dieser entbehrungsreichen Zeit viel gelernt und Erfahrungen sammeln können, ohne die Unterstützung ihrer Teamkolleginnen wäre dies nicht möglich gewesen. «Die nächste Pandemie gehen wir gelassener an.»

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Laborchefin Regula Müller (links) wertet mit ihrer Stellvertreterin Yvonne Flühler Coronatests aus. Bild: Eveline Beerkircher (Stans, 20. April 2021)

Quelle: Nidwaldner Zeitung vom 22.04.2021 (Online)
Autor: Matthias Piazza

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