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Peinlich laute Verdauung: Experte sagt, was besorgniserregend ist und was man dagegen tun kann

«Seit einiger Zeit habe ich (m, 70) ein lautes Gurgeln im Bauch. Nachts ist es so stark, dass ich davon erwache. Blähende Speisen meide ich, Durchfall habe ich keinen. Zuhause stört mich das nicht, aber unter Leuten ist mir das sehr unangenehm. Ist das harmlos oder sollte ich das abklären lassen? Was kann ich dagegen tun?
2. Dezember 2025
Lesezeit: 2 Minuten
Dr. med. Lorenzo Botteselle ist Leiter Gastroenterologie am Spital Nidwalden.
Dr. med. Lorenzo Botteselle ist Leiter Gastroenterologie am Spital Nidwalden.

So wie Sie das schildern – nächtliches, lautes Gurgeln im Bauch ohne begleitende Beschwerden wie Durchfall oder Schmerzen – ist das in den meisten Fällen harmlos. Darmgeräusche, medizinisch Borborygmi genannt, gehören zur normalen Funktion des Verdauungssystems. Sie entstehen, wenn der Darm Nahrung, Flüssigkeit und Luft durch wellenförmige Muskelbewegungen (Peristaltik) weitertransportiert. Dabei kann es zu diesen Geräuschen kommen – besonders dann, wenn viel Luft oder Flüssigkeit im Spiel ist.

Auch wenn das unangenehm oder peinlich sein kann, etwa in einem ruhigen Zugabteil, ist es zunächst kein Grund zur Sorge. Viele Menschen erleben solche Geräusche gelegentlich – bei manchen treten sie vermehrt nachts auf, wenn der Magen leer ist und die Darmaktivität ungestört abläuft.

Eventuell Symptom für eine Erkrankung

In den meisten Fällen handelt es sich um ein harmloses Phänomen. Dennoch können bestimmte Erkrankungen mit lauteren oder häufigeren Darmgeräuschen einhergehen. Dazu gehören unter anderem das Reizdarmsyndrom, eine verstärkte Luftaufnahme beim Essen, Nahrungsmittelintoleranzen wie Laktose- oder Fruktoseintoleranz und Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO), Engstellen im Darm insbesondere nach Operationen, hormonelle Störungen wie Schilddrüsenerkrankungen sowie Nervenschäden bei Diabetes. Auch Medikamente können die Darmaktivität und damit die Geräuschbildung verstärken.

Solange die Darmgeräusche nicht mit Bauchschmerzen, Fieber, veränderten Stuhlgewohnheiten oder sichtbarem Blut im Stuhl einhergehen, besteht in der Regel kein Anlass zur Sorge. Bestimmte Lebensmittel können jedoch die Gasproduktion erhöhen, zum Beispiel Kohl und Hülsenfrüchte, Milchprodukte, kohlensäurehaltige Getränke sowie Produkte mit künstlichen Süssstoffen. Mehr Luft und Flüssigkeit im Darm erhöhen den Druck und verstärken die Geräusche.

Langsames Essen und viel Bewegung

Hilfreich zur Reduktion von Darmgeräuschen sind gründliches Kauen, langsames Essen und das Vermeiden von übermässigem Luftschlucken. Regelmässige Bewegung unterstützt zudem die Darmbewegung und kann Blähungen sowie Geräusche reduzieren.

Bei einer fachärztlichen Abklärung wird zunächst die Vorgeschichte genau abgeklärt: Wann treten die Geräusche auf, wie häufig, in welchem Zusammenhang? Danach können je nach Verdacht Atemtests (z. B. auf Laktose- oder Fruktoseintoleranz), Blutuntersuchungen, Ultraschall oder eine Darmspiegelung folgen. Ziel ist es, mögliche Ursachen zu erkennen oder auszuschliessen – und Ihnen Sicherheit zu geben.

Fazit: In den meisten Fällen sind Darmgeräusche harmlos. Da sie bei Ihnen neu und störend auftreten, empfehle ich zur Sicherheit eine Abklärung bei einer Fachperson für Magen-Darm-Erkrankungen.

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